Empfehlungen

Gesammelte Leseempfehlungen, die den Zustand des Journalismus und die Haltung der öffentlich-rechtlichen Medien kommentieren.

„Manifest für einen neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunk“

Bastian Barucker im Gespräch mit Ole Skambraks, ehemaliger SWR-Mitarbeiter und Herausgeber von Meinungsvielfalt.Jetzt

„Landtagspräsidenten fordern Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“

„Das gibt es nicht oft: Die Präsidentinnen und Präsidenten der Landtage aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg haben ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Darin fordern sie „grundlegende inhaltliche und strukturelle Reformen“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.  ... In dem Papier heißt es:

„Der ÖRR steht aufgrund aktueller Vorfälle in einzelnen Sendern aber auch grundsätzlich zunehmend in der Kritik der Bevölkerung. Diese Kritik ist in Teilen berechtigt.“
Ziel der geforderten Reformen müsse sein, die „Glaubwürdigkeit und Akzeptanz seitens der Bürgerinnen und Bürger zu sichern“. Auch sei die Beitragsstabilität „ein entscheidendes Element für die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“.

Studie: So staatsnah sind öffentlich-rechtliche Medien

Ein kritischer Gastbeitrag in der Berliner Zeitung über die Studie von Kommunikationsforscher Marcus Maurer und seinem Team (Uni Mainz), gefördert von der Stiftung Mercator. Die Tatsache, dass öffentlich-rechtliche Medien „etwas vielfältiger“ berichten, wertet Sebastian Köhler nicht als Erfolg:

„Denn gemäß vieler gesetzlicher Vorgaben (Medienstaatsvertrag etc.) sollen gerade diese Medien (also die Angebote von ARD, ZDF und Deutschlandradio) möglichst GAR NICHT ,einseitig‘ sein, sondern strikt einem ,Binnenpluralismus‘ verpflichtet. Dieser habe sich auf sämtliche relevanten Strömungen und Tendenzen in der Gesellschaft zu beziehen und all diese einzubeziehen.“

Laut der Studie seien die MDR-Nachrichten die mit Abstand vielfältigsten – „einfach weil dort Personen von AfD und Linkspartei viel häufiger als sonst erwähnt werden und auch zu Wort kommen. Am anderen Ende dieser Skala steht übrigens der Deutschlandfunk in Köln, wo niemand aus diesen beiden Parteien zu Wort kam.“

Thorolf Lipp über das Gutachten des Zukunftsrats: Einengung des Meinungsspektrums

Thorolf Lipp, Vorstand der Deutschen Akademie für Fernsehen, bewertet das Gutachten des Zukunftsrats. Das achtköpfige Expertengremium war 2023 gegründet worden, um eine „langfristige Perspektive für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Akzeptanz“ zu entwickeln.

Lipp betont im Interview, dass das Gutachten eine Einengung des Meinungsspektrums deutlich mache: „Diese einseitige Wahrnehmung scheint mir ein ganz zentraler Punkt zu sein. Ich glaube für die grundlegende Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Systems ist das etwas, wo man ganz genau hingucken muss.“

„‚Linksgrün durchseucht‘ - hautnah erlebe ich, wie Menschen über ARD und ZDF denken“

Julia Ruhs, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk und Kolumnistin für FOCUS online, beschreibt „wie es ist, auf Menschen zu treffen, die einen für eine ,linksgrün durchseuchte‘ Staatsfunkerin halten und den Glauben an die Meinungsfreiheit längst verloren haben.“

„Die Macht der Woken: Warum die Öffentlich-Rechtlichen wie Erziehungsanstalten wirken”

“Selbst schwule Männer … kritisieren die ‘Omnipräsenz von queeren Themen’ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk”, schreibt Journalist und Bestsellerautor Peter Köpf und erklärt, warum genervte ÖRR-Zuschauer bei der AfD landen.

Reformrufe aus dem journalistischen Maschinenraum

Peter Welchering, Journalist seit 1983 (u.a. Deutschlandradio, ZDF, verschiedene ARD-Sender) beschreibt die redaktionellen Veränderungen im öffentlich-rechtlichen System in den letzten Jahrzehnten:

„Wir erhalten einfach nicht mehr das Budget, um gutes Programm zu machen. Auf der politisch-publizistischen Brücke ist nicht allen, aber zu vielen Kapitänen egal, wie das Programm ihres Senders aussieht. Es muss nur irgendwas mit ‚digital‘, und ‚Social Media‘.

Gleichzeitig werden Fachautorinnen und – autoren mit ihrer hohen Expertise und teilweise langjährigen Erfahrung immer stärker durch Generalisten ersetzt. Die seien preiswerter, würden weniger selbstbewusst auftreten, sich nicht an inhaltlichen Punkten aufhalten und deshalb einfacher zu handeln, sagte mir ein Hierarch. Und auch das hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in die schwerste Krise seit seiner Gründung gebracht.“

 

„Zukunft des Kulturradios: Und schon wieder zerschlagen die Öffentlich-Rechtlichen, was sie haben.“

„Der Bayerische Rundfunk will feste Programmplätze für die Kultur im Radio abschaffen. Herausragende Sendungen auf Bayern 2 sollen verschwinden. Das ist fatal für die Diskussionskultur der ganzen Republik“, urteilt Tobias Rüther, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

„Es ist an der Zeit, dass sich der Corona-Journalismus ehrlich macht“

Ralf Hanselle, stellvertretender Chefredakteur des Cicero, über die „Selbstabschaltung des Journalismus“ während der Coronazeit:

„Noch liegt im Dunkeln, was tatsächlich im Vorfeld der sagenumwobenen Ministerpräsidentenkonferenzen mit der Kanzlerin stattfand und welche Kommunikationsflüsse es zwischen Bundeskanzleramt und ausgewählten Medien gegeben haben mag. Nur das Resultat liegt auf dem Tisch: So kommt eine bereits im Oktober 2021 vorgelegte Medienanalyse des Mainzer Medienwissenschaftlers Marcus Maurer zu dem Schluss, dass im Untersuchungszeitraum von Anfang 2020 bis April 2021 immer wieder der Grundsatz einer vielfältigen Berichterstattung außer Kraft gesetzt worden sei und dass ‚vergleichsweise selten über die negativen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen harter Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie berichtet [wurde]‘.“

Hanselle fragt sich, ob es für diese Selbstabschaltung journalistischer Standards Absprachen und Kungeleien in geschlossener Runde brauche. Oder genüge es in den meisten Fällen nicht bereits, wenn ein Journalist von publizistischem Übermut ergriffen ist, in dem er sich nicht mehr nur als neutraler Beobachter und Vermittler von Ereignissen sieht, sondern als Retter, der eine erhebliche Mitverantwortung für den weiteren Verlauf der Pandemie trägt?

„Es wird um jeden Preis vermieden, zu viel Geld für den eigentlichen Geschäftszweck auszugeben.“

Lutz Hachmeister, Medienforscher und einstiger Chef des Adolf-Grimme-Instituts, kommt zu einem vernichtenden Urteil über das öffentlich-rechtliche System im Interview mit dem Handelsblatt: „Bürokratien wollen nicht irritiert werden“. Das Ziel sei es, quotenstarke Standardformate für Fernsehen und Hörfunk beizubehalten: Im Kern gehe es um die Aufrechterhaltung von „Ruhe sanft“.