Statements

„Ich kann nicht mehr schweigen. Ich kann nicht mehr wortlos hinnehmen, was seit nunmehr anderthalb Jahren bei meinem Arbeitgeber, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk passiert“,  schrieb Ole Skambraks in seinem Offenen Brief. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ARD, ZDF, ORF und Deutschlandradio sehen die Praktiken und die Bericht­erstattung ihrer Arbeitgeber ebenso kritisch, trauen sich aber aus Sorge um ihren Job nicht, ihre Meinung zu äußern.          
Hier bekommen sie eine Stimme.

Pro Person ist ein Statement zulässig oder anders ausgedrückt: jedes anonyme Statement entspricht einem Menschen, der sich nicht mehr traut, seine Meinung offen kundzutun.

 

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

ARD-Anstalten, Deutschlandfunk (DLF), Österreichischer Rundfunk (ORF)

Ich gebe zu, diese Headline klingt ketzerisch. Leider ist das meine Interpretation eines Anrufs, den ich im Frühjahr 2021 vom ORF erhielt.

Nach mehr als zehn Jahren freier Mitarbeit für das Hörfunkprogramm Ö1 hieß es da, man sei auf meine Facebook-Posts zu Corona aufmerksam geworden (in denen ich in der Tat sämliche sogenannten „Anti-Corona-Maßnahmen“ massivst kritisiert und abgelehnt habe) und zu dem Schluss gekommen: „Wir können es nicht hinnehmen, dass unsere Autoren die Regierungspolitik kritisieren.“

Ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.

Einem Redakteur von WDR 5 waren meine Facebook-Posts ebenfalls aufgefallen. Er hat davon Screenshots gemacht und diese an andere Redaktionen in der ARD geschickt. Mit der Frage, ob sie überhaupt wüssten, mit wem sie da zusammenarbeiten.

Zwei weitere Redaktionen, bei Bayern 2 und SWR2, haben mir daraufhin ebenfalls gekündigt - teilweise wurden meine Themenangebote nicht mehr beantwortet (nach dem Motto: „Er wird‘s schon merken...“), teilweise gab es merkwürdige E-Mails und Telefonate, in denen mir gekündigt wurde (sofern bei einem Freien davon die Rede sein kann).

Ich muss allerdings fairerweise dazu sagen, dass es auch Redaktionen bei DLF und NDR gab, die nicht so reagiert haben.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

ARD-Anstalt

Seit über 30 Jahren bin ich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig - mal angestellt, mal als freier Mitarbeiter. Einen Groß­teil dieser langen Zeit­spanne habe ich das mit Stolz und aus Über­zeugung getan und bei jeder Gelegenheit die Finanzierung durch den Rundfunk­beitrag verteidigt. Nur so erschien mir eine unabhängige, kritische Bericht­erstattung gesichert. Nur so ist ein kulturell breitbandig ausgerichtetes Programm mög­lich, welches seinem - im Staats­vertrag verankerten - Bildungsauftrag gerecht werden kann.

Doch mittlerweile sind mir die Argumente zugunsten der Gebühren­finanzierung ausgegangen. Zu stark hat sich in mir der Eindruck eingenistet, der öffentlich-rechtliche Rundfunk arbeite hart daran, sich selbst seiner Existenz­berechtigung zu berauben.

Das fängt an bei den durch­formatierten Radio-Wellen: Nach meinem Empfinden versucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk seit Jahren mit zunehmend verzweifelter Verbissenheit die Privat­sender zu imitieren. Man möchte eine jüngere Hörerschaft gewinnen, vergrault damit aber meist nur die Stammhörer. Ich kenne unglaublich viele musikbegeisterte, stilistisch nicht festgelegte Menschen zwischen 40 und 70, die alle nicht mehr Radio hören. Warum? Weil sie den „Einheitsbrei“ nicht ertragen. Diese Hörer sind dem Radio verloren gegangen, aber keiner in den Führungs­etagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks scheint sich dafür zu interessieren. Vielleicht, weil immer mehr ARD-Programm­direktoren von den „Privaten“ rekrutiert wurden und werden?

Anspruchsvolle Sendungen, ja ganze Radiowellen werden von den linearen UKW-Radiofrequenzen „umquartiert“ ins Digitalradio-Netz. Wo aber deren Hörerschaft sich eben gerade NICHT tummelt. Die Stellen der wenigen verbliebenen Redakteure und Moderatoren, welche noch für Autoren-Sendungen jenseits des Musik-Mainstreams stehen (wie zum Beispiel Alte Musik, Neue Musik, Jazz, Fusion, Weltmusik), werden dann auch gern mal nicht nachbesetzt (oder inhaltlich umgedeutet), wenn Kollegen in Rente gehen, oder die Aufgaben werden alibimäßig an Freie vergeben. Als Beispiel sei hier nur der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) genannt, der die Stelle des Jazz-Redakteurs unlängst einsparte, nachdem der Letzte auf dem Posten sich in den Ruhestand verab­schiedet hatte.

Beim Fernsehen kamen mir die ersten Zweifel 2012, als der norwegische Attentäter Breivik bei seiner Verhandlung im Gerichtssaal gefilmt und auf allen Kanälen breit grinsend mit hoch gehaltener Victory-Hand gezeigt wurde. Auf allen Kanälen. Auch bei der „Tagesschau“ und bei „ZDF heute“. Damals stellte sich mir die Frage, warum wir gebühren­finanzierten Sender einem Irren die Weltbühne bieten, die er haben will? Damals hätte ich mir eine Haltung bei den Nachrichten­redakteuren gewünscht, welche ihm diese Bühne verwehrte...

Man soll immer vorsichtig sein, was man sich wünscht. Denn spätestens seit März 2020 und dem Beginn der ausgerufenen Pandemie schien es mir, als gäbe es nur noch, ausschließlich, Haltungsjournalismus beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und nach meinem Empfinden war diese Haltung leider regierungstreu, einseitig, zeitweilig sogar hetzerisch und erschütternd gesellschafts­spaltend. Was Drosten, Wieler, Lauterbach und Co. verkündeten, wurde nicht infrage gestellt. An ARD und ZDF gerichtete Petitionen zugunsten einer zwei­stündigen Live-Diskussions­runde zur Prime Time um 20 Uhr, in denen zum Beispiel Drosten und Wieler mit corona­maßnahmen- und impf­kritischen (und seit Beginn der Impf­kampagne vor Impf­schäden warnenden) Ärzten wie Wodarg und Bhakdi kontrovers diskutieren könnten, wurden ignoriert. Immer wieder hörte ich von Programm-Machern, man wolle die Zuschauer und Hörer ja nicht durch kritische Beiträge/Interviewpartner/Wissenschaftler/Ärzte VERUNSICHERN. Schließlich wolle man der Impf­kampagne doch nicht im Wege stehen... Die Beitrags­zahler sollen also nicht verunsichert werden? Wieso eigentlich nicht? Halten wir sie etwa für zu dumm, sich eine eigene Meinung zu bilden? Oder ist es nicht erwünscht, dass sie es tun?

Als am 07. April 2022 der Deutsche Bundestag mit deutlicher Mehrheit gegen eine Impf­pflicht stimmte, machte sich in einigen Redaktionen doch tatsächlich Enttäuschung breit. Gebühren­finanzierte Medien­schaffende zeigten sich enttäuscht, dass eine Mehrheit unserer gewählten Volks­vertreter sich offenbar unserem Grundgesetz (vor allem Artikel 2, Absatz 2) verpflichtet fühlten...

Dass ich mich am Arbeitsplatz nicht traute, meiner Freude über dieses Abstimmungs­ergebnis lauthals Ausdruck zu verleihen, und selbst in diesem Moment im Kreise meiner Kollegen lieber den Mund hielt, spricht wohl für sich.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gibt sich generell als großer Verfechter von Gleich­stellung, paritätischer Stellen­besetzung, gender-neutraler Bericht­erstattung. Diskriminierung? Bewahre!

Das hat einige ARD-Sender jedoch nicht davon abgehalten, eine Gruppe für sie tätiger Menschen aufs Übelste auszugrenzen: die „Nicht-Geimpften“. Als Spitze des Grauens seien hier nur der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und der Bayrische Rundfunk (BR) genannt, die in ihren Häusern im Winter 2021/22 „2G“ am Arbeitsplatz verhängten und den un­geimpften Mitarbeitern monatelang den Zutritt zum Funkhaus verboten (und manchem freien Mitarbeiter somit die Einkommens­möglichkeit nahmen). Wohl­gemerkt nachdem bereits im August 2021 auf „tagesschau.de“ über Studien aus den USA berichtet wurde, welche belegten, dass auch Geimpfte sich weiterhin mit Corona infizieren und andere anstecken können. Leider blieb diese Meldung nur eine kleine, offen­sichtlich weitgehend unbeachtete Randnotiz...

Wer zum Glück langsam Beachtung und (zumindest sparsame) Sendezeit bekommt, sind Menschen, die durch die Covid-Impfungen gesundheitlich geschädigt sind. Doch leider fallen deren Schicksale in der allgemeinen Wahr­nehmung nun der medialen Kriegs­bericht­erstattung zum Ukraine-Konflikt zum Opfer.

Auch im Falle der Ukraine empfinde ich die Bericht­erstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als schwarz-weiß. Die Mechanismen der Corona-Krise scheinen sich zu wiederholen:

Hier die Guten (die Maßnahmen-Befolger, geimpft, geboostert), dort die Bösen (Maßnahmen-Kritiker, nicht geimpft, oder geimpft und dadurch gesund­heitlich geschädigt und darüber sprechend).

Oder, im Falle des Ukraine-Krieges: hier die guten, waffenliefernden, angeblich demokratie-verteidigenden Westmächte, dort die bösen russischen Angreifer.

Ich maße mir im Falle des Ukraine­konflikts kein Urteil an. Zu un­durch­sichtig er­scheinen mir die Fäden, die dort gezogen werden - zum un­er­mess­lichen Leid der ukrainischen Bevölkerung.

Doch durch die zwei Jahre des von mir als mono­thematisch wahrgenommenen öffentlich-rechtlichen Haltungs­journalismus in Sachen Corona-Krise habe ich den Glauben an eine neutrale Bericht­erstattung verloren. Nachhaltig.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Südwestrundfunk (SWR)

Zahlen, Zahlen, Zahlen… - seit Anfang der Pandemie kommt von den Medien kaum etwas außer Zahlen, welche uns Angst, Verwirrung und Hilflosigkeit vermitteln, immer diese Zahlen. Anfangs grüßte uns täglich Herr Drosten, der Experte der Stunde. Und nein, leider gab‘s gar keine Therapie gegen Corona. Wenn das eigene Immunsystem es nicht rafft (mit hoher Wahrscheinlichkeit, dazu mehr Zahlen), dann wird man selbst zu den Zahlen gehören. Die endlosen Talkshows, die alle belegten: Corona ist tödlich, es ist berechtigt, dass unsere Kinder daheim bleiben und auf ihre Jugend verzichten, dass unsere lieben Menschen alleine und erbärmlich sterben. Eine bittere Pille.

Die Zahlen sind subversiv, hat Philosoph Peter Sloterdijk einst gesagt. Durch die Zahlen wurden wir in Dauerangst versetzt, wir wurden emotional und psychisch derart desorientiert. Ich kam mir vor wie ein Epsilon-Kind aus Huxleys „Brave New World“, im Dauerstress durch die täglichen Horror-Bilder. Immer wieder kamen die ++Eilmeldungen++ vom SWR, die Opfer häuften sich, dazu mehr Zahlen. Wohin mit uns Menschen? Wir waren das Problem.

Dass die Berichterstattung einseitig war, wurde mir persönlich zunehmend klar. Ich wurde den Eindruck nicht los, es herrsche eine Art allgegenwärtige Zensur. Die Namen Bhakdi und Wodarg, zum Beispiel, fanden nicht mehr statt, denn „jeder weiß“, das sind Schwurbler. (Die Zensur, die bei Facebook und Youtube herrscht, ist phänomenal.) Wo waren hierzu die kritischen Fragen geblieben? Über Nacht wurden alle Maßnahmen-Kritiker diskreditiert, und wir wurden, fand ich, weiter mit Halbwahrheiten von den gleichen „Experten“ billig abgespeist... Und immer wieder verspürte ich diese diebische Freude, bei bisher seriösen Menschen, wenn ein „Impf-Skeptiker“ an Corona verstarb! Eine riesige Spaltung wurde in die Gesellschaft getrieben. Statt Mitmenschen zu sein sind wir zu gegenseitigen Kontrolleuren und Faktencheckern geworden. Wir können nicht mehr denken, wir sind dicht. Wir wurden radikalisiert.

Letztendlich bekommt das Virus recht, wir kriegen es nicht in den Griff. Die Kultur, die Jugend, das Gesundheitssystem - alles ist am Boden. Liebe Journalisten, würdet Ihr jetzt bitte richtige, greifende Fragen stellen? Zum Beispiel die Verstrickungen zwischen „Big Pharma“ und Politik betreffend. Und überhaupt, wie wir kollektiv mit den sozialen, mentalen und physischen Konsequenzen der grotesken Impfkampagne umgehen - jetzt, wo nicht mehr darüber hinweg geschaut werden kann, was die Impf­schäden angeht. Und, ganz nebenbei, ist Euch überhaupt klar, was der Fall Julian Assange für Euch, für uns alle bedeutet?

Vor zwei Jahren ist die Corona-Welle wie ein Tsunami über uns hereingebrochen; jetzt, liebe Journalisten, kommt eine neue Welle: die Welle der Aufklärung. Und die wird, meine ich, nicht wirklich Kompromisse zulassen. Wo werdet Ihr stehen, wenn diese neue Welle anbricht?

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

ARD-Anstalt

Immer war das Radio an, verschiedene Sender aus unterschiedlichen Bundesländern. Fast aus­schließlich der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Der Mix schien mir verlässlich, um mir meine eigene Meinung zu bilden.

Im Januar 2021 hörte ich auf SWR2 einen Beitrag darüber, dass ein starkes Immunsystem nicht ausreicht, um sich nicht mit Corona zu infizieren. Das war für mich so unvorstellbar, wie wenn sie gesagt hätten, die Erde sei eine Scheibe. Ab diesem Tag habe ich das Berie­selungshören und -sehen komplett eingestellt. Kein Radio am Morgen, und schon gar kein Fernsehen am Abend.

Ich habe mir viele Gedanken gemacht, beobachtet und genau hingehört, was meine Kolleginnen und Kollegen im Sender zwischen Tür und Angel zu sagen hatten. Der sendungs­verantwortliche Redakteur meinte: „Die ziehen ganz schön die Daumen­schrauben an.“ Er war voller Verständnis dafür, dass die Maßnahmen der Regierung die Ungeimpften dazu bewegen sollten, sich impfen zu lassen. Oder die Kollegin, die zu mir sagte: „Mit dir wird bald niemand mehr arbeiten wollen, weil wir dann wieder die Masken tragen müssen.“ Das war zu der Zeit, als behauptet wurde, dass doppelt Geimpfte das Virus nicht übertragen können, und damit eine Ungleich­behandlung von nicht geimpften Personen beziehungsweise von Personen, die nicht bereit waren, ihren Impfstatus offenzulegen, gerechtfertigt wurde. Kurze Zeit später wurde dieses Privileg für Geimpfte zwar wieder abgeschafft, aber mein jahre­langes gutes Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen ist seitdem angespannt.

Irgendwann schien dann klar, dass der Krisenstab meines Senders die zukünftigen Ein­schränkungen schon vorausahnen konnte und vorsorglich die verschärften Maßnahmen umsetzte, bevor die Allgemeinheit von der Politik dazu gezwungen wurde.

So habe ich dem „Freedom-Day“, der mir einen Teil meiner Würde - nämlich nicht mehr von einem fremden Menschen ein Stäbchen in die Nase gesteckt zu bekommen, um dann Geld verdienen zu dürfen - zurückbringen sollte, entgegen­gefiebert und am Tag zuvor mal wieder das Radio ein­ge­schaltet. Aus meiner Pers­pektive hätte das in jeder Nach­richten­sendung der Aufmacher sein müssen, ähnlich wie eine gewonnene Fußball-Weltmeisterschaft. Aber nichts! Überhaupt nichts!

Während andere große Firmen froh waren, ihre Mitarbeiter nicht mehr kontrollieren zu müssen, und die erste Tat der Personal­verant­wort­lichen am Montag­morgen, 21.03.2022, war, den Führungs­kräften mitzuteilen, dass die erhobenen „freiwillig“ abgegebenen Daten zu löschen seien und alle Betriebs­ausweise wieder freigeschaltet werden, wollte mein Arbeit­geber auf dieses Tool nicht verzichten. Auch die Daten bezüglich des Impf- beziehungsweise Genesenstatus wurden nicht gelöscht und werden meines Wissens - Stand Mitte April 2022 - noch aufbewahrt. Bei jedem an­deren Arbeit­geber wäre es sehr be­denk­lich, dass gesetz­liche Vor­gaben nicht unver­züglich umgesetzt werden und plötzlich ein Hausrecht bemüht wird, um die Beschäftigten - alles nur zum Schutz - weiter „drangsalieren“ zu können.

Bei einem gebühren­finanzierten Sender, der mit seinem Programm dazu beitragen soll, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, den Glauben und die Meinung anderer zu stärken, sind die Folgen nach meinem Dafürhalten sehr weit­reichend. Wenn seit über zwei Jahren der Krisenstab - ein Gremium, das ganz nach Wieler'schem Zitat „nicht hinterfragt“ werden darf - die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit immer neuen Horrorzahlen und strengsten Schutz­maßnahmen in Angst hält, ist eine unabhängige Bericht­erstattung meiner Meinung nach unmöglich.

Ich höre noch immer gerne - aber nur Podcasts von Journalistinnen und Journalisten, die diese Berufs­be­zeich­nung nach meinem Verständnis verdienen.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

Doch die zurück­liegenden zwei Jahre habe ich dies­bezüglich als Tiefpunkt wahr­ge­nommen. Vielleicht war der öffentlich-rechtliche TV-Journalismus immer schon mehr „Story-Telling“ als Wahrheits­suche, und den einen Zeit­punkt, ab dem alles irgendwie schlechter wurde, gab es vielleicht nie. Doch die Corona-Zeit und ihre „Maßnahmen“, die ja tatsächlich wie kaum etwas anderes seit der Gründung der Bundes­republik in unser Leben und in unsere Grund­rechte ein­gegriffen haben, haben für mich ein be­unruhigend schwaches Zeugnis für die „Vierte Gewalt“ im Staat ausgestellt, wenn es denn darum geht, dass diese „Vierte Gewalt“ die anderen drei im Sinne der Wahrung der Grund­rechte kritisch hinter­fragen und kontrollieren soll.

An entscheidenden Stellen für die Bericht­er­stattung haben viele Redakteurinnen und Redakteure die mangelhaften und unzureichenden Daten des RKI trotz ihrer Schwächen für gut genug befunden, um sie zum täglichen „Stand der Tatsachen“ und damit zur Richtschnur für weitgehende Einordnungen zu erklären. Eine tägliche Kritik an der Datenqualität hätte jedoch zum journalistischen Handwerk gehört. Den Einschätzungen des RKI so folgend, wurden dann Angst und Alarm als berechtigte Dauer-Narrative gesehen - die im Sinne der Quote leider auch erfolgreiche Narrative waren, weil Angst und Alarm naturgemäß die Aufmerksam­keit des Publikums erhöhen. Berechtigte Zweifel, Nach­fragen, andere Experten­meinungen, Maßnahmenkritik oder gar Demonstrationen und Protest wurden im gleichen Zuge für unangebracht bis falsch, oder gar für rechts­extrem und gefährlich erklärt und entsprechend gebrandmarkt. Selten habe ich so eine journalistische Unwucht und so ein überzeugtes Sortieren in "richtig-falsch“ oder moralisierend in „solidarisch-unsolidarisch“ auf so dünner Faktengrundlage erlebt.

Gesendet wurde nach meiner Beobachtung überwiegend, was das Narrativ bestätigte und am Leben hielt. Mit Mainzel­männchen vor und nach den Haupt­nachrichten, die ebenfalls für staatliche Maßnahmen und An­ordnungen warben. Kritische Fragen mussten sich Politiker­Innen fast ausschließlich dahin­gehend gefallen lassen, ob ihre Maß­nahmen ausreichend seien für den Gesundheits­schutz. Fast nie, ob sie zu weit gehen oder ihrerseits Schäden anrichten. Schäden durch die Maß­nahmen (einsames Sterben, psychische Folgen für die Kinder, Geschäfts­pleiten, Staats­verschuldung) wurden als „Corona-Schäden“ deklariert. Ein breiter Mainstream ist entstanden, gegen den - meinem Erleben zufolge - kaum an­zu­kom­men war, wenn man als einzelner Redakteur nicht selber als „Verharm­loser“ oder Schlimmeres ab­qualifiziert werden wollte.

Natürlich gab es immer wieder auch einzelne Beiträge, einzelne Sen­dungen, einzelne Themen­setzungen, die dem Auftrag nach­kamen, für ein aus­gewogeneres Bild zu sorgen. Sie bleiben meines Erachtens aber in der kaum wahrnehm­baren Minder­heit. Und bei der Frage zum Beispiel, ob die Impfung wirklich die Lösung ist oder welche Risiken und Schäden auch mit ihr einher­gehen, sind kritische Ansätze und Recherchen bis heute ein gefühltes Tabu. Dass das geschehen konnte, und wie - das sind Fragen, die sollten dringend jetzt, nach dem Abklingen der Pandemie, aufgearbeitet werden, denn sonst drohen ähnliche journalistische Unwuchten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch in der Zukunft. Und so oder so ist es dringend Zeit, dass Diversität in den Redak­tionen auch inhaltlich, bezogen auf gesell­schaftliche Posi­tionen, wieder forciert wird.

Denn nie war gefühlt so viel Konformismus wie heute. Und an dem kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk letztlich nur scheitern.

Mitarbeiterin

ARD-Anstalt

Ich war als freie Mitarbeiterin im kulturellen Bereich tätig und beobachtete dort schon länger, wie sich eine realitäts­verzerrende Propaganda einschlich, die sich mit Vorliebe alter Klischees bediente.

Mir fiel eine wachsende Diskrepanz zwischen meiner Wahrnehmung und dem hierzulande verbreiteten Feindbild auf. Vermutlich war ich dafür besonders empfindlich, da es dabei oft auch um mein Heimatland ging. Es machte mich sprachlos, wie mein Land regelmäßig für sämtliche Verbrechen an den Pranger gestellt und beschuldigt wurde - und immer noch wird: Selbst aus positiven Meldungen werden negativ urteilende Schlüsse gezogen. Weiter nehme ich wahr, dass Künstlern, Sportlern und Wissenschaftlern in Interviews - schon durch die Fragestellung - moralische Bekenntnisse abgenötigt werden, bevor diese überhaupt zu Wort kommen.

Was wir heute erleben, ist lediglich die weitere Zuspitzung dieses Prozesses: Jetzt geht es nicht mehr nur um die bösen anderen Staaten - jetzt geht es um uns alle! Willkommen im Club! Ein offener Diskurs, diskriminierungsfreie Ethik und elementare Höflichkeit im Umgang mit den Opponenten haben sich derweil gänzlich aufgelöst - an oder mit Corona gestorben.

Und die Öffentlich-Rechtlichen werden nun von immer mehr Menschen als ein „Wahrheits­ministerium“ wahrgenommen, das jedem die Fähigkeit abgesprochen hat, sich des eigenen Verstands zu bedienen. Durch sogenannte „Faktenchecker“ wird heute ein sicherer Instinkt gefördert, jeden Gedanken, der in eine ketzerische Richtung führen könnte, zu meiden - eine Art vorsorgliche Dummheit sozusagen. Inzwischen scheint es - nicht nur bei außen­politischen Themen - schier unmöglich geworden zu sein, Dinge und Sach­verhalte überhaupt noch klar benennen oder gegenüber­stellen zu können: Ein Schlagwort wie „Impfskepsis“ wird lässig gegen „Impf­verweigerung“ ausgetauscht, „Gegner der Impfpflicht“ werden schnell zu „Impfgegnern“, ganze Themen­bereiche werden tabuisiert und die Bemühung, etwas zu verstehen oder kritisch zu hinter­fragen - geschweige denn, gefährliche Tendenzen in unserer Gesellschaft zu erkennen - endet in Stig­matisierung und Aus­grenzung. Die Programm-Leitfäden tönen von Vielfalt, Toleranz, Respekt, Ausgewogenheit, doch all diese schönen Worte sind vom eigenen Handeln völlig entkoppelt, wie mir scheint: Statt sich für den Erhalt einer freiheitlichen Gesellschaft einzusetzen, arbeitet man mit allen Mitteln daran, eine schöne Fassade aufrecht zu erhalten, hinter der medial inszenierte Einheits­meinung herrscht, Erinnerung an Pluralismus erfolgreich getilgt und Feindbilder am laufenden Band produziert werden. Ressentiments lauern hinter politisch korrekten Begriffen und die Meinungs­freiheit scheint darin zu bestehen, unsägliche Dinge über auserwählte Hass-Objekte ungestraft sagen zu können.

Inzwischen glaube ich nicht mehr, dass in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk­anstalten noch ein Sinneswandel stattfinden könnte, oder dass diese Institutionen in ihrem ursprünglichen Sinn noch reanimierbar wären. Ihre Werte­apostel sind für mich Teil des Systems, in dem Konzerne immer mehr Einfluss auf den Staats­apparat und die Medien ausüben.

Was mich jedoch zutiefst erschüttert, ist die irrsinnige Hybris dieser Menschen, die vor allem an ihre eigene Überlegenheit glauben und von der angeblichen Gering­wertigkeit ihrer Gegner überzeugt sind!

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

ARD-Anstalt

Die Angst hat sich eingeschlichen.
Sie beherrscht meine Mitmenschen und auch mich.
Die Gründe gleichen sich irgendwie: Gesundheit und Freiheit.
Und dennoch treffen wir uns nicht.

Ich bin erschüttert. - Wir wollen doch alle das Gleiche:
Ein sorgenfreies, glückliches, friedvolles Leben führen. -
Und dennoch treffen wir uns nicht.

Wir weichen uns aus, driften auseinander und verlieren dabei aus dem Sinn,
was uns einst einigte und verband…

Bitter stelle ich fest, dass mein Arbeitgeber zu dieser Entfremdung massiv beiträgt. Meinen Rundfunkbeitrag - ich müsste ihn Anderen zusprechen, wenn ich könnte. Denn eine ausgewogene Berichterstattung ist meiner Ansicht nach schon lange nicht mehr gegeben.

Ich bin zutiefst erschüttert, ich kann nicht mehr.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

ARD-Anstalt

Bei der Arbeit in meiner Anstalt sind mir während der Corona-Krise viele Missstände noch bewusster geworden, die es nach meiner Wahrnehmung im öffentlich-rechtlichen Umfeld schon lange vorher gab. Diese Missstände behindern an vielen Stellen ein sauberes journalistisches Arbeiten, wie ich es verstehe - und machen es manchmal sogar unmöglich. Den Grund dafür vermute ich in bestimmten ideologischen Prägungen, politischen Aus­richtungen und streitbaren Welt­anschauungen verschiedener Entscheidungs­träger in unserem Haus.

Bei der Auswahl und der Umsetzung von Themen im Programm erachte ich den Korridor von Meinungs­vielfalt und Pluralismus dadurch als von vornherein stark eingeengt. Konstruktive Kritik dazu, wie wir als Redaktion methodisch und inhaltlich an bestimmte Themen heran­gehen, wurde in meinem direkten beruflichen Umfeld schon mehrfach abgetan oder wegdiskutiert. Zum ersten Mal aufgefallen ist mir das im Zusammenhang mit islam­kritischen Bewegungen in unserem Sendegebiet. Themen, die bei unseren Empfängern stark konservative Reaktionen hervorrufen könnten, wurden vermieden.

Wer die für mein Empfinden einseitige und teilweise manipulative Bericht­erstattung zur Corona-Krise zur Diskussion stellen wollte, wurde innerhalb der Redaktion schnell zum Verschwörungs­theo­retiker erklärt und spöttisch belächelt. Echte inhaltliche Auseinander­setzung habe ich persönlich mit derartiger Kritik nie erlebt.

In der Masse unserer Programm­beiträge zum Thema Corona habe ich Gesprächs­partner wahrgenommen, die den politischen Kurs in dieser Sache stützen und propagieren. Maßnahmenkritiker oder Experten, die vom vermeintlichen Mainstream-Konsens abweichen, sind mir maximal in Neben­sätzen von Beiträgen aufgefallen.

Was ich hierbei zu spüren glaube ist eine diffuse unaus­gesprochene Übereinkunft innerhalb vieler Redaktionen darüber, dass sämtliche Krisenmaßnahmen der Politik richtig und nicht zu hinterfragen seien. Dieses Gefühl deckt sich mit der Aussage eines älteren Kollegen, der mir schon vor vielen Jahren erklärt hat, dass in unserer Anstalt niemand Karriere mache, der sich zu Regierungs­entscheidungen kritisch äußert.

So sind wir in unserem Programm meines Wissens nie darauf eingegangen, dass die offiziell propa­gierten Zahlen der Corona-Toten nach­weislich verfälscht sind, dass der PCR-Test von vielen an­er­kannten Wissen­schaftlern als in diesem Zusammen­hang nichts­sagend eingestuft ist, dass bei den Zahlen der belegten Klinik­betten getrickst und betrogen wurde oder dass die „Corona-Schutzimpfungen“ offenbar mit starken Gesundheits­schäden und vielen Todesfällen weltweit einhergehen. Der journalistische Reflex, solchen Täu­schungen und Ungereimt­heiten investigativ nachzugehen, scheint mir bei vielen meiner Kollegen komplett abgeschaltet zu sein. Tatsachen und Indizien, die den offiziellen Erzählungen widersprechen, werden vielmehr nach dem Motto „Das kann doch nicht wahr sein!“ ausgeblendet. In der Konsequenz habe ich seit vielen Monaten den Eindruck, an einer Dauerwerbe­sendung für die Impfstoffindustrie mitzuwirken, in die sich die Mehrheit meiner Kollegen mit großem persönlichen Eifer einbringt.

Diese Kollegen sind - glaube ich - tatsächlich felsenfest davon überzeugt, das Richtige zu tun. Dabei versäumen sie allerdings nach meiner Auffassung ihre journalistischen Aufgaben - Widersprüchen auf den Grund zu gehen und Skandale aufzudecken - und verwechseln scheinbar neutrale Bericht­erstattung mit der Missionierung und Erziehung der Bevölkerung in eine bestimmte Richtung, die sie persön­lich für die einzig richtige halten.

Das fängt an beim Reporter, der beim Bericht über einen „Montagsspaziergang“ aus­schließlich Teilnehmer der Gegen­demonstration befragt, und hört auf bei der Redak­teurin, die im Beitrag über Impf­veranstaltungen in gefühlt jedem Satz hervorhebt, wie das „Schreckgespenst Corona“ uns allen ins Mark fahre und wie wichtig die „lebensrettenden Impfstoffe“ seien - statt sich rein an die Geschehnisse und Fakten zu halten, um die es eigentlich in ihrem Beitrag geht.

Wirklich erschüttert hat mich in diesem Zusammenhang eine Situation, in der eine entscheidende Person meiner Anstalt für meine Begriffe unmittelbar in die redaktionelle Arbeit eingegriffen hat. Wir hatten bereits seit Monaten einen anerkannten Experten als Gesprächspartner im Programm, wenn es um das Corona-Thema ging. Auffällig erschien mir, dass dieser Mensch so gut wie nie kritische Anmerkungen zum Regierungskurs machte. Dann trat er eines Tages in einem anderen Sender auf und ließ dort auch kritische Töne zur Corona-Politik hören. Am Tag nach diesem Auftritt teilte die erwähnte Person unserer Redaktion mit, sie solle die Aussagen des Experten künftig genauer ver­folgen. Falls er sich weiterhin derart äußern sollte, wie er es bei besagtem Auftritt getan hatte, müsse man sich wohl nach einem „anderen Experten“ für unser Programm um­schauen.

Wenn ich in Berichten im Zusammenhang mit der Corona-Krise die Begriffe „Massenhypnose“ und „Realitätsverlust“ lese oder höre, dann fühle ich mich schon sehr stark an das erinnert, was ich seit bald zwei Jahren tagtäglich in meiner Anstalt beobachte. Objektiven Journalismus habe ich mir jedenfalls mein Leben lang anders vorgestellt.

Ein erster Ansatz, um die von mir gefühlten Missstände im öffentlich-rechtlichen System zu beseitigen, könnte es in meinen Augen sein, die Regierungsnähe verschiedener Führungs­kräfte zu beleuchten und vor allen Dingen auch die fest­gewachsenen Hierarchien in den Anstalten auf­zulösen. Diese scheinen mir in erster Linie dem reinen Selbsterhalt zu dienen und daneben die freie Entfaltung von Meinungsvielfalt, offener Diskussionskultur und echter Pluralität von Lebens­wirk­lich­kei­ten zu verhindern. Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks heißt meines Wissens weder Er­ziehung noch Steuerung seiner Nutzer, und schon gar nicht lautet er, persönliche Weltanschauungen und Abhängigkeiten Einzelner zur Triebfeder der Arbeit von vielen zu machen. Aus­gewogene Bericht­er­stattung, nichts anderem als der Wahrheit verpflichtet, ist der klare Auftrag, dem wir alle nach­zu­kommen haben. So glaube ich es irgendwann einmal gelernt zu haben.

Richard Petersen

Ingenieur Norddeutscher Rundfunk (NDR)

Der „Faktenfinder“ der „Tagesschau“ ist für mich ein guter Indikator dafür, welches Narrativ gerade wieder hochgehalten werden muss. Die von Herrn Gensing, Chef vom „Faktenfinder“, in seinen Artikeln benutzten Links sind nach meinen Recherchen zum sehr großen Teil Referenzen auf eigene Artikel. Verweise auf externe Quellen habe ich bei ihm eher selten gefunden… Es gibt in Deutschland zwar kein Wahrheitsministerium; aber es gibt den „Faktenfinder“ (tagesschau.de/faktenfinder) der „Tagesschau“, der für mein Gefühl ähnliche Aufgaben wahrnimmt.

Schon zu Beginn der Corona-Krise habe ich den „Faktenfinder“ so verstanden, dass er viele bis dahin namhaften Wissenschaftler, die eine andere Meinung vertreten als die „Experten“ der Regierung, als nicht vertrauenswürdig abstempelt. Durch mutmaßliche Hypothesen sollten deren Meinungen offenbar widerlegt werden. Ein von mir sehr geschätzter Ex-Blogger (blog.fdik.org) hat einmal den Begriff „Faktensucher, aber niemals -finder“ geprägt.

Am 20.05.2020 schrieb Julia Klaus im ZDF-Faktencheck ‚Was dran ist am Impfzwang-Geraune‘​ (zdf.de): „Prominente Verschwörungstheoretiker wie Ken Jebsen fürchten eine ‚Impfpflicht über die Hintertür‘​, wie er in einem über zwei Millionen Mal geklickten YouTube-Video sagt. Wer keinen Immunitätsausweis habe, könne an bestimmten Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen, so die Befüchtung. [...] Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums vermutet hinter dem Online-Geraune [...] eine Agenda: ‚Es handelt sich um eine Kampagne, die in den Sozialen Medien losgetreten wurde, wo fälschlicherweise behauptet wurde, eine Impfpflicht wäre geplant.‘​“ Wer lag schlussendlich näher an der Warheit - Ken Jebsen oder der ZDF-Faktencheck?

Wolfgang Wodarg (wodarg.com) hatte 2009 in der NDR-Doku „Profiteure der Angst“ noch als Experte seinen Platz. Jetzt wird er diskreditiert. Dabei behauptete er in der Corona-Krise nichts anderes als in eben genannter NDR-Dokumentation. Anscheinend macht sich niemand die Mühe, die sehr kritischen Fragen der diskreditierten Wissenschaftler ernsthaft zu bearbeiten. Nach dem Motto: „Die Regierung wird's schon richten…“

Jahrelang hat die Politik behauptet, dass kein Geld für wichtige Projekte (Schulsanierungen, Gesundheitssystem etc.) vorhanden sei. In der „Pandemie“ ist jetzt aber scheinbar jede Menge Geld da, um dies den Pharmafirmen „in den Rachen zu werfen“.

Ende Februar 2022 schrieb der Vorstand der BKK Provita einen Brief u.a. an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), in der er auf eine statistische Auswertung der Patientendaten seiner Krankenkasse zum Thema Impfnebenwirkungen verwies (WELT, BKK Provita). Demnach wäre die Quote der Impfnebenwirkungen erheblich größer als vom PEI gemeldet. Anstatt darauf zu drängen, dass auch andere Krankenkassen einmal ihre Daten auf diesen Aspekt hin überprüfen sollten, wird der Überbringer dieser schlechten Nachricht von den Medien diskreditiert und vom eigenen Verwaltungsrat kurzfristig entlassen. Bei ARD Aktuell finde ich (außer zwei Blogeinträgen) nur einen Artikel auf der Webseite zu diesem Thema, und dieser diffamiert schon in der Überschrift: „Analyst steht ‚Querdenkern‘ nahe“. [Anmerkung des Teams von meinungsvielfalt.jetzt: Der erwähnte Artikel ist zwischenzeitlich von der ARD-Seite verschwunden, aber noch in diesem Internet-Archiv zu finden: archive.org.] In der Tagesschau hat man gar nicht über die Analyse der BKK Provita berichtet.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Ich war stolz darauf, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu arbeiten und damit Teil der „Vierten Säule der Demokratie“ zu sein. Durch meine Arbeit bin ich in all den Jahren verschiedensten Themengebieten und Ereignissen begegnet. Ich erlebte, wie man früher den Politikern und Politikerinnen sowie den Handelnden der Wirtschaft auf die Finger schaute, wie man immer wieder Brisantes aufdeckte und dieses den Menschen mitteilte. Immer dann, wenn es darum ging, dass Mächtigere versuchten, den normalen Bürgern etwas als gut zu verkaufen, was nicht gut für diese war, hatte ich den Eindruck, dass Journalisten da waren, um aufzuklären. Ich war bei all dem, was da aufgedeckt wurde, hoffnungsvoll, dass zum Beispiel Politiker da sein werden, die ein Gewissen haben und korrupten wirtschaftlichen Machenschaften nicht zustimmen werden. Und wenn dem nicht so wäre, dass dann die öffentlich-rechtlichen Medien dafür sorgen, dass genau das ans Licht kommt. Als vor ein paar Jahren nach und nach Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk laut wurde, habe ich meinen Mitmenschen erzählt, wie wichtig ich das Konzept eines unabhängigen Rundfunks finde.

Doch im Laufe der Zeit stellten sich mir Fragen, auf die ich keine Antwort fand und auf die mir keiner Antwort gab. Zum Beispiel: Wenn wir als Medien kritisch sein wollen, warum schaffen wir gerade kritische und vertiefende Sendungen ab oder beschneiden sie und verschieben sie in die Randsendezeiten? Warum traut man den Zusehern und Zuhörern nicht mehr zu, dass sie längere Beiträge sehen und hören wollen? Kann man in der Kürze detailreiche Ereignisse ausreichend erklären? Wieso fragen sich Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunk, was sie selbst tun müssen, damit der Bürger „das Richtige“ wählt? Woher wissen sie, was richtig ist? Sind solche Gedanken nicht antidemokratisch? Aber ich war immer noch hoffnungsvoll, dass wir als „Vierte Gewalt“ unseren Teil zur Demokratie beitragen würden.

Als dann das Jahr 2020 begann und ich unsere Medien verfolgte, bröckelte die Hoffnung, da unbeantwortete Fragen bei mir nun an der Tagesordnung waren: Was ist eine mysteriöse Lungenerkrankung? Wochenlang gab es keine Erläuterung, was genau das Mysteriöse an der Erkrankung ausmachen sollte. Und wieso war die Wortwahl in den verschiedenen Beiträgen auf unterschiedlichen Sendern oft gleichlautend? Plötzlich wurden Zahlen genannt, die in kein Verhältnis gesetzt wurden. Wir Menschen können mit abstrakten Zahlen wenig anfangen. Vergleichen wir nicht ständig, um neu entstandene Situationen einschätzen zu können? Wie hoch ist die durchschnittliche Anzahl der Verstorbenen an einem Tag in Deutschland normalerweise? Warum fragt das keiner der Journalisten, wenn sie Experten interviewen?

Das Thema Sterben wurde ja in den letzten Jahrzehnten zunehmend in vielen Teilen der Gesellschaft verdrängt. Plötzlich nun steht es im Mittelpunkt. Die Menschen werden damit konfrontiert und sind überfordert. Woher sollen sie wissen, was viel und was wenig ist, wenn es nicht eingeordnet wird? Warum zeigt und zählt man nicht auch, wie viele Menschen die Krankheit überlebt haben? Und zeigt, wie viel das in Prozent im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist? Das würde doch in einer außergewöhnlichen Situation Hoffnung machen. Wieso dürfen Journalisten die Anzahl der Toten von Deutschland mit der Anzahl der Toten von Indien vergleichen? Wo doch Indien wesentlich mehr Einwohner als Deutschland hat und man deswegen das Ganze nur prozentual, bezogen auf die Gesamtbevölkerungszahlen der beiden Länder, ins Verhältnis setzen darf? Natürlich hat Indien zahlenmäßig mehr Erkrankte und mehr Tote als Deutschland. Berichtet man ausschließlich über diese hohe Zahl der Toten, muss man damit rechnen, dass diese Nachricht bei den Zuschauern und Zuhörern Panik erzeugt. Wieso wird es mit Diffamierung seitens der Medien bestraft, wenn jemand die Anzahl der Toten bei Influenza mit der Anzahl der Toten bei Corona vergleicht?

Wieso werden überhaupt Menschen, die andere Beobachtungen machen, diffamiert? Wieso werden fast ausschließlich Menschen mit sehr ähnlichen Ansichten in Talkshows eingeladen? Wieso haken Moderatoren und Moderatorinnen oft nicht bei ihren Interviewpartnern nach, wieso gehen sie nicht auf das ein, was der Interviewpartner sagt? Wieso blicken sie stattdessen auf ihre Moderationskarte und stellen die nächste Frage, welche mit dem vorher Gesagten des Interviewpartners oft nichts zu tun hat? Wieso hakte niemand nach, als Frau Merkel ganz früh im Jahr 2020, zu Beginn der Krise, sagte, dass, wenn alles vorbei sein wird, nichts mehr so sein wird, wie es mal war? Warum fragt da niemand nach, wie sie darauf kommt, woher sie die Gewissheit darüber hat? Wieso es nur den Weg der Impfung gibt, und das im so frühen Stadium der Pandemie? Wieso bekommen geleakte Papiere aus den Ministerien so gut wie keine mediale Aufmerksamkeit? Wieso hakt niemand nach, wenn Herr Wieler sagt, dass diese Regeln niemals mehr hinterfragt werden dürfen? Ist es nicht genau die Aufgabe eines jeden Journalisten, alles zu hinterfragen? Immer? Jedes Ding, jedes Ereignis, jede Entscheidung von allen Seiten zu beleuchten? Und über die gewonnenen Erkenntnisse zu berichten? Über alle gewonnenen Erkenntnisse?

Tauchen bei meinen journalistischen Kollegen diese Fragen nicht auf?

Da keine der vielen Fragen, die sich mir stellten, und auch keine Antworten auf meine Fragen in den unzähligen Berichten und Talkshows auftauchten, begann ich selbst zu recherchieren. Währenddessen erwuchs die bittere Erkenntnis, dass es sehr wohl Menschen gibt, die die Ereignisse von vielen Seiten beleuchten. Jedoch schenkt man diesen Menschen kein Gehör in den öffentlich-rechtlichen Medien.

Ein paar Mal stieß ich auf folgende These: Die Aufgabe von seriösem Journalismus sei es, Daten zu sichten, einzuordnen und zu entscheiden, welche Daten und Studien richtig und welche falsch sind. Hieraus ergibt sich bei mir schon wieder eine Frage: Wie macht das der Journalist? Welche Fähigkeiten hat er erworben, dass er in Virologie, Epidemiologie, Psychologie, Wirtschaft, Statistik, Rechtswissenschaften und vielen anderen Fachgebieten so umfassend gebildet ist, um bei all diesen Themenfeldern zu entscheiden, was falsch und was richtig ist? Was ist, wenn in ein paar Jahren sich die Entscheidungen als falsch erwiesen haben?

In der Vergangenheit gab es schon viele Versprechungen seitens der Pharmaindustrie und der Politik. Es bedurfte oft einer langen Zeit, bis Fehler eingesehen wurden. Bis zur Einsicht und der Rücknahme eines Medikaments war dann schon großer Schaden entstanden.

Ist das alles vergessen?