Statements

„Ich kann nicht mehr schweigen. Ich kann nicht mehr wortlos hinnehmen, was seit nunmehr anderthalb Jahren bei meinem Arbeitgeber, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk passiert“,  schrieb Ole Skambraks in seinem Offenen Brief. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ARD, ZDF, ORF und Deutschlandradio sehen die Praktiken und die Bericht­erstattung ihrer Arbeitgeber ebenso kritisch, trauen sich aber aus Sorge um ihren Job nicht, ihre Meinung zu äußern.          
Hier bekommen sie eine Stimme.

Pro Person ist ein Statement zulässig oder anders ausgedrückt: jedes anonyme Statement entspricht einem Menschen, der sich nicht mehr traut, seine Meinung offen kundzutun.

 

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Südwestrundfunk (SWR)

(Dieses Statement ist von der Creative Commons Lizenz CC BY-ND ausgeschlossen. Es darf nicht ohne unsere schriftliche Zustimmung verbreitet werden.)

Das war ein Schock für mich, da ich bisher vom Modell eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks überzeugt war, der - wie ich glaubte - fair und um Objektivität bemüht berichtet.

Wie kann es sein, fragte ich mich, dass so viele Menschen in aller Welt, darunter seriöse Wissenschaftler_innen, kritische Meinungen und „alternative Fakten“ zu Corona-Themen vertreten, und diese in den öffentlich-rechtlichen Medien kaum Niederschlag finden? Müsste nicht gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk, in dessen Statuten die Wahrung von politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit verankert ist, auch diese Stimmen ausgewogen zu Wort kommen lassen? Und so ein realistisches Abbild der Vielfalt an Meinungen und Informationen liefern, auf dass sich jede/r selbst ihre/seine Meinung bilde? Stattdessen werden - nach meiner Beobachtung - Kritiker_innen und Andersdenkende noch immer weitgehend ignoriert und leider zum Teil auch diffamiert. (Es gibt Ausnahmen - danke dafür!)

Mein Glaube an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als unabhängiges Organ für Meinungsvielfalt, ausgewogene und objektive Berichterstattung ist daher leider erschüttert. Ich gebe aber die Hoffnung auf einen Bewusstseinswandel im Öffentlich-Rechtlichen nicht auf.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Bayerischer Rundfunk (BR)

...ohne etwas auszuklammern, ohne zu framen, ohne zu belehren. So habe ich das jedenfalls immer verstanden. Doch das öffentlich-rechtliche System, so wie ich es von innen heraus wahrnehme, ist seit langem nicht mehr politisch unabhängig. Und für mein Empfinden repräsentiert es auch nicht mehr die Bevölkerung, die es finanziell trägt und der es verpflichtet ist.

Weit und breit sehe ich kaum Spuren von dem, was ich als „echten Journalismus“ verstehe. Je nachdem, wie gleichförmig Medien berichten, erkennt man meiner Meinung nach, auf welcher Stufe der Tyrannei sich eine Gesellschaft befindet. Die Geschichte hat uns bitter gelehrt, wohin die Unterbindung des Dialogs und der freien Meinungsäußerung geführt haben - egal, ob wir uns den Westen oder den Osten anschauen.

Katrin Seibold

Ex-Redakteurin, -Reporterin, -Autorin und -Moderatorin Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) und 3sat

Besonders mit dem Kultursender 3sat habe ich mich identifiziert, da das Gemeinsame des deutschsprachigen Kultur- und Sprachraums mir am Herzen liegt und darin jetzt ein besonderes Potenzial zum Erhalt von Werten und zur gesellschaftlichen Veränderung liegt. Zu meinem großen Bedauern sehe ich den Auftrag, mit dem ZDF und 3sat angetreten sind, nicht mehr erfüllt.

Ich bin seit 1997 bei ARD und ZDF, in Hörfunk und Fernsehen, tätig gewesen - auch im Ausland, auf Dreh und in Auslandsstudios. Dass in diesen Strukturen offenbar etwas sehr Verkrustetes, Altes sitzt, ist mir von Anfang an aufgefallen. Es schien mir im Laufe der Zeit immer wieder undurchsichtig und unauflösbar. Jetzt ist für mich die Zeit gekommen, in der sich hoffentlich endlich etwas ändert. Dies sollte u. a. dadurch geschehen, dass Ehemalige und Noch-Mitarbeiter aufstehen und davon erzählen, was in den vergangenen Jahren schiefgelaufen ist.

Die Worte „Nestbeschmutzer“ oder „Whistleblower“ für diese Menschen zu verwenden, dient meiner Ansicht nach ihrer Abwertung oder soll sie „zum Abschuss freigeben“. Doch sollte für mich diese Informationweitergabe in einer Demokratie immer stattfinden können - für den Grundsatz der Wahrheitsfindung mittels der Meinungsfreiheit, für einen offenen kontroversen Diskurs zum Ziele eines Meinungsbildungsprozesses für die Rezipienten und der gesellschaftlichen Vielfalt und Einheit.

Ich war dabei, als Beiträge „gefaked“ wurden. Ich habe selbst als Redakteurin in der Schlussredaktion gesessen und hätte die Inhalte der tagesaktuellen Sendung gern anders gestaltet. Letztlich braucht es aber nur den einen Chef vom Dienst, der die Macht und Möglichkeit hat, die Sendung nach seinem Gutdünken zusammenzustellen. Da kann der Diskurs in der Redaktionskonferenz und die Vorbereitung durch die Planungskonferenz noch so kontrovers sein.

Natürlich sind viele Mitarbeiter daran beteiligt, dass eine gute Sendung zustande kommt. Doch die politische Ausrichtung, die Gewichtung von Themen, die Auswahl und das Einladen eines Studiogastes, die Gestaltung von Moderationen und der Einsatz sowie die Auswahl von Beiträgen liegt an einem Sendetag stark in dieser einen Hand. Im Schulterschluss mit dem Moderator kann diese eine Stimme viel lenken.

Mir wurde oft die Frage von Außenstehenden gestellt, wie es denn sein könne, dass besonders seit März 2020 mit dem Beginn von Corona so einseitig berichtet werden konnte. Die Hypothese, dass da jemand aus der Bundesregierung zum Hörer greift und im Sender durchgibt, wie berichtet werden solle, habe ich immer für sehr unwahrscheinlich gehalten und so etwas geantwortet wie: „Das kann ich mir nicht vorstellen und habe ich so nicht erlebt. Das halte ich für eine inkompetente Vorstellung von jemandem, der das System ‚Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk‘ nicht kennt. Wir Redakteure lesen die Agenturen, rezipieren die Tages- und Wochenpresse und halten natürlich Augen und Ohren in alle Richtungen offen.“ Diese meine Antwort implizierte, dass wir Berichtsfreiheit genießen.

Dennoch ist nun, bis zum Frühjahr 2022, so vieles falsch gelaufen und offensichtlich geworden, dass ich folgendes nach allen Beobachtungen und Erfahrungen für möglich halte. Chefs vom Dienst erhalten öfter, das weiß ich aus unmittelbarer Erfahrung, einen Anruf von der Hauptredaktionsleiterin oder der Redaktionsleitung, was am Tag besonders gewünscht sei. Diese Botschaft könnte möglicherweise wiederum die Marschrichtung ihres Chefredakteurs, ihres Intendanten oder der entsprechenden Partei oder Interessenvertretung im Fernsehrat entsprechen und dieser Genüge tun wollen. So einfach kann das bei einzelnen Nachrichten sein, damit sie in eine bestimmte Richtung gehen. Da kann vorher ein komplexer Meinungsbildungsprozess, eine multipolare Debatte in der Redaktion durchaus stattgefunden haben.

Es braucht also in meinen Augen nur ein paar Leitwölfe in einer Redaktion, die die mutmaßliche „Blatt- oder Senderlinie“ verinnerlicht haben. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass sie womöglich gewissen Anreizen erliegen, und wenn das nur die internen Lorbeeren, die Anerkennung im Team oder ihrer Chefin sind. Am wirksamsten scheint es mir zu sein, wenn diese Leitwölfe dann Journalistenpreise gewinnen. Daran sehen alle: Wenn Du zum Beispiel einen Beitrag „gegen rechte Tendenzen“ oder „gegen Rassismus“ machst, dann steigst Du im Ansehen und kommst in Deiner Laufbahn als Berichterstatter nach vorn.

Was aus der Sicht der Führungskräfte mutmaßlich auch „gut“ funktioniert, ist, dass ganze Redaktionen prämiert werden. Wenn sie einen schwierigen Prozess hinter sich haben, etwa eine Umstrukturierung oder eine Personalkürzung, dann bekommen diese Redaktionen schon mal plötzlich und unerwartet einen Preis. Dass die Jury dieses Preises von Altvorderen aus ARD und ZDF besetzt ist, spielt in dem Moment kaum eine Rolle. Es gibt einen Sektempfang, organisiert von Vorgesetzten, die Presseabteilung schickt Meldungen raus, und irgendein anderes Medium berichtet darüber. Und schon hast Du möglicherweise ganz viel Gelenkschmiere in eine Mannschaft hineingegossen, die innerlich zerrissen ist, in der Grabenkämpfe stattfinden oder Einzelne mit einer „anderen Meinung“ ausgegrenzt werden.

So schafft - nach meiner Beobachtung - die Führung eine Pseudoeinheit, die dann teilweise im Inneren von einzelnen Mitarbeitern aufklafft. Mitarbeiter sind dann zwar scheinbar im Team integriert, fühlen sich aber immer mehr wie im falschen Film.

Der Redaktion „Kulturzeit“ ist genau dies widerfahren. Zuerst hatte die Redaktion zwei Chefwechsel durchlaufen. Unmittelbar danach wurde dem gesamten Team der strapaziöse Umzug aus den beliebten Zweier- und Dreierbüros in ein Großraumbüro zugemutet. Dieser Schritt war umstritten, ja, er war von vielen Redakteuren abgelehnt worden. Dennoch setzte die neue Leitung diesen Schritt so um, dass die Redakteure selbst den Umzug zu planen und umzusetzen hatten.

Schließlich, in den neuen Räumlichkeiten, hatte das neue Büro wegen der Ausdünstung von ungesunden Dämpfen für gesundheitliche Beeinträchtigungen der Redakteure gesorgt. Das ZDF hat nach umfangreichen Versuchen zur Verbesserung lieber ein zusätzliches Gutachten über die bürointernen Schadstoffwerte in Auftrag gegeben, um am Ende sagen zu können: „Die Zahlen stimmen“, anstatt die ärztlich belegten und am Krankenstand ablesbaren Beschwerden der Mitarbeiter konsequent ernst zu nehmen.

Und als dann endlich der Zeitpunkt erreicht war, wo die Redaktion aufatmen konnte, wurde plötzlich der Redaktion der „Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis“ verliehen. Diese Ehrung kam nicht nur mir vor wie eine Art Lenkungsinstrument, um offenen Unmut zu vermeiden und kritische Stimmen zu ersticken. Wenn man sich die Liste der Vereinsmitglieder des Preises ansieht, wird der Hintergrund schnell klar: Es sind fast ausschließlich Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Während der vergangenen zwei Jahre habe ich diese Entwicklung verstärkt wahrgenommen. Und auch, dass diese Entwicklung manche Mitarbeiter an den Rand der Selbstverleugnung bringt. Manche entwickeln massive Resignationsgefühle, müssen sich verstellen, fühlen sich teilweise wie schizophren oder gespalten, bekommen im schlimmsten Falle langfristige Depressionen oder gehen durch tiefe Lebenskrisen. So habe ich es in meinem Umfeld beobachtet und miterlebt.

Außerdem vermute ich: Da der öffentlich-rechtliche Rundfunk gut bezahlt und viele Mitarbeiter, wenn sie schon länger dabei sind, sich dort vertraglich relativ sicher fühlen, kündigen sie nicht. Die Nachrichten vom unsicheren Arbeitsmarkt oder aus der freien Wirtschaft - gerade zu Corona-Zeiten - tun ihr Übriges. Viele Mitarbeiter bewegen sich offenbar in einer heiteren Blase, einer seltsamen Unbekümmertheit und allgemeinen Heiterkeit im Redaktionsalltag einerseits, einem zu engen Meinungskorridor andererseits. Mir schien, viele halten die inneren Zerwürfnisse irgendwie aus, auch wenn das zunehmend schwieriger wird, - in Zeiten, wo zum Beispiel Ungeimpfte jeden Morgen ihren frischen Bürgertest schriftlich im Sekretariat abzugeben haben.

Das sah ich als „Vorgeführtwerden“ von Einzelnen, und darauf ist niemand scharf. Bei uns mussten die Geimpften ab einem gewissen Zeitpunkt ihren Nachweis im Sekretariat abgeben, was bis vor kurzem qua Gesetz eine private Information war, die den Arbeitgeber nichts anging. Nicht umsonst ist auf den ärztlichen Bescheinigungen für den Arbeitgeber bei Krankheit keine Diagnose angegeben. Hier gilt also noch das alte Recht, dass Gesundheitsinformationen eines Bürgers privat sind. Warum wurde über diese Ausgrenzung nicht systemselbstkritisch gesprochen, wo doch Journalisten qua Jobbeschreibung eklante gesellschaftliche Veränderungen in den Blick nehmen und Diskriminierung und Ausgrenzung einzelner als gesellschaftliches Faux-pas angesehen werden?

Die Öffentlich-Rechtlichen erscheinen mir umso mächtiger im Gesamtbild der Bevölkerung, je mehr Verunsicherung insgesamt herrscht. Dies gilt, weil die Hauptnachrichten der Leitmedien immer noch als „Garanten für Wahrheit“ angesehen werden. Nicht umsonst haben die etablierten großes Tageszeitung wie auch die Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen seit Beginn der Pandemie enormen Leser- bzw. Zuschauerzuwachs erhalten.

Es wird Zeit, dass ein tiefgreifender Reformprozess stattfindet. Von den Gerichten und der Politik kann dieser schwerlich ausgehen. Denn die beiden großen Volksparteien sind meines Wissens durch die Proporz-Regelung „sicher im Sattel“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Wenn der Leiter einer Abteilung konservativ-schwarz ausgerichtet ist (CDU-nah), dann muss der Stellvertreter rot (SPD-nah) sein und umgekehrt. Und das war meines Erachtens früher noch strenger geregelt als jetzt. Die Interessenvertreter im Fernsehrat sollten von einer kritischen Öffentlichkeit streng unter die Lupe genommen werden - allen voran die beiden Hauptkirchen und Vertreter der muslimischen und jüdischen Gemeinden. Wofür sie genau stehen, welche "Strippen" sie ziehen und in welche Richtung, das muss für mich von den anderen Medien, wahrhaft freien, unabhängigen Stimmen, offengelegt und diskutiert werden.

Erst, wenn alles neu sortiert ist und sich alle Menschen oder Bürger mit ihrer Ehrlichkeit und ihren wahren Wünschen, Notwendigkeiten und Anliegen darin wieder wahrgenommen fühlen, dann habe ich Hoffnung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich habe dann wieder Hoffnung, wenn Kollegen nicht mehr mutmaßlich nach der Maßgabe redaktionelle Entscheidungen fällen, ob sie weiterhin Vorteile, Privilegien, ein sicheres Gehalt haben und „schöne“, also gefällige und erwartbare Geschichten erzählen können. Ich habe dann wieder Hoffnung, wenn es allen Journalisten wieder wirklich um die Sache, um relevante Themen und echten Journalismus geht.

Der deutschsprachige Raum muss sich entscheiden, ob er sich derart leiten lassen will, von „den einzigen Behörden, die sich einen eigenen Sender leisten können“. Über diese Formulierung wird im ZDF intern regelmäßig geseufzt und geschmunzelt. Ich höre diesen Satz schon seit den 80er-Jahren, und trotzdem hat sich das im Kern nicht geändert. Der Bürger muss Gebühren zahlen, und trotzdem lenken die Mächtigen der Rundfunkanstalten ihre Schiffe in meinen Augen in Richtung privatwirtschaftlicher Medienunternehmen. So formulieren es seit Jahren Intendant und Programmdirektor. Hier sollte sich die interessierte Öffentlichkeit klar ins Gesicht sehen - ebenso wie die Politik, das Bundesverfassungsgericht und die Medienmacher selbst.

Ein Schlüssel könnte sein: Wenn alle wieder zum Wohle des Ganzen denken und handeln, dann kann sich das System von innen heraus wandeln. Solange jeder zuerst an seine eigene Selbsterhaltung und seine Vorzüge denkt, wird alles beim Alten bleiben. Da können noch so viele Demonstranten vor den Medienhäusern aufmarschieren.

Journalistisch braucht es die Anerkennung verschiedener Narrative und nicht die Verengung auf nur ein einziges Narrativ, das offenkundig die Politik nahelegt. Es geht um den Erhalt unserer demokratischen und gesellschaftlichen Grundwerte. Ob wir diese zurückholen bzw. erhalten, hängt von der öffentlichen Meinung ab. Wir Medienmacher haben eine enorme Verantwortung. Meines Erachtens ist zahlreichen Rundfunkmitarbeitern die Höhe dieser Verantwortung nicht genügend bewusst. Wären sie wirklich den Gesetzen des freien Marktes in aller Konsequenz ausgesetzt, sähe unser Rundfunkprogramm schnell anders aus.

Die Frage ist jedoch, ob wir uns das wünschen sollen. Denn der Schutz von freier Programmgestaltung, die Berichtsfreiheit von Journalisten und die Staatsferne sind ein hohes Gut. Holen wir uns dies alles zurück! Noch sind diese und andere Werte im Medienstaatsvertrag verankert. Doch die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, hat Anfang Januar 2022 die Bürger dazu aufgerufen, bis Mitte Januar Vorschläge für eine Reform von ARD und ZDF einzureichen. Auf diese Weise wird sie hinterher immer sagen können: die Bevölkerung hätte ja die Chance gehabt, sich einzumischen. Die Entscheider hätten redlich versucht, die Vorschläge einzubeziehen.

Der Prozess eines Umbaues läuft also bereits – und bekanntermaßen lassen sich hier die Entscheider der Sendeanstalten und der Politik wenig in die Karten schauen. Umso wichtiger ist eine wache Öffentlichkeit, die sich nicht kurzschließt mit den Mächtigen der Öffentlich-Rechtlichen oder der Marschrichtung der Regierung, sondern die kritisch diesen Prozess mitverfolgt und eingreift.

Transparenz ist hier gefragt. Und meinungsstarke, mutige Journalisten und Bürger, die sich ihre Organe der Vierten Gewalt zurückholen. Möge dies gelingen.

 

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Lieber Ole Skambraks,

was für eine Freude, als ich deinen Offenen Brief (multipolar-magazin.de) gelesen habe! Ich teile deine Meinung und danke dir sehr für deine mutige Offenheit. Du tust damit viel für mich, und es fühlt sich an wie ein Wendepunkt.

Ich arbeite auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk (beim WDR) und habe mich in der letzten Zeit dort sehr einsam gefühlt. Besonders beschäftigt mich die Frage, weshalb die sogenannte „neutrale Berichterstattung“, die zu jeder journalistischen Ausbildung gehört, scheinbar an vielen Stellen nicht mehr vorhanden ist. Eigentlich sollte es zu jedem Aspekt eines (politischen) Beitrags doch auch eine Gegenmeinung geben. Dem ist nach meiner persönlichen Beobachtung nicht mehr so. Auch sehe ich den Journalismus nicht mehr in der Rolle des Kritikers der Politik. So sollte das doch eigentlich sein!?

Und warum gehen die Medien dem Ursprung des Virus so wenig nach? Bei jedem Verkehrsunfall wird bis ins Detail geprüft, wie es dazu kommen konnte. Und falls es Verletzte oder Tote gab, wird nachgesehen, ob beispielsweise eine Straße sicherer gemacht werden kann.

Ich bin nicht im tagesaktuellen Bereich tätig, und anfangs dachte ich noch, die Berichterstattung und meine Arbeit würden sich nicht berühren. Aber so ist es nicht. Mein Eindruck ist, dass viele Kolleginnen und Kollegen selbst sehr stark von ihrer Angst geleitet werden und gar nicht offen sind für einen Diskurs.

Bisher war ich ziemlich schweigsam. Aber auch „ich kann nicht mehr“. Dein Brief gibt mir den Mut, mich herauszuwagen, sodass wir nach und nach hoffentlich immer mehr werden.

Alles Gute und herzliche Grüße!

Mitarbeiterin

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Es gab in 20 Jahren keinen Tag, an dem ich nicht gerne zur Arbeit gegangen bin (auch wenn ich wegen meiner Kinder in Teilzeit arbeite). Ich mochte meine Kollegen, und sie mochten mich. Ich habe einen guten Draht zu meinen Vorgesetzten, das Arbeitsklima und die Arbeits­bedingungen habe ich immer als positiv bewertet. Das C-Thema änderte für mich leider alles.

Kollegen, die ich seit 20 Jahren kenne und schätzte, distanzieren sich von mir, kritisches Nachfragen bei den Journalisten bleibt unbeantwortet. Sie strafen mich mit Ignoranz oder mit den Worten „mit dir diskutiere ich nicht darüber“. Für sie bin ich der „Corona-Leugner“, der „Verschwörungs­theoretiker“, kurzum - die ganze Klischee­schublade einmal aufgemacht und wieder zugemacht. Ich gehe ja auch „mit Rechten Schulter an Schulter“ auf die Straße. Dass ich mich sonst eher links eingeordnet hätte und mich immer schon gegen Diskriminierung jeglicher Art stark gemacht habe, ist wohl vergessen.

Hinweise meinerseits, beispielsweise auf die fragwürdige Aussage­kraft des PCR-Tests oder die Kritik an bestimmten Maßnahmen oder Grundrechts­einschränkungen, stießen auf völliges Unverständnis. Auch mein persönliches Problem mit der Maske und mein Attest wurden nicht ernst genommen. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen und meinen Kollegen kein Futter zu geben, trage ich sie in deren Gegenwart, und nur bei mir wohl­gesonnenen Kollegen sitzen wir maskenfrei bei der Arbeit. Als ich einigen Kollegen von Menschen in meinem Umfeld erzählte, die schwerste Neben­wirkungen oder gar Todesfälle nach den Impfungen erfahren haben, hat niemand Interesse gezeigt, darüber zu berichten. Ich bin einfach nur fassungslos, dass gebildete Menschen offenbar so blind sind, die eigentlich einiges wissen müssten über die Macht der Bilder, über die Manipulation durch Zahlen, die nicht ins Verhältnis gesetzt werden, und über all die für mich seit Beginn der sogenannten Pandemie offen­sichtlichen Mechanismen der Panikmache, der Manipulation und der Propaganda.

Wie kann es sein, dass Menschen sich in so einer, wie ich es nenne, „kollektiven Psychose“ befinden? Dass sie alles so Offen­sichtliche, wie die von mir gefühlte Zensur und die von mir gefühlte Meinungs- und Wahrnehmungs­monopolisierung nicht sehen? Wir brauchen dringend einen Kurswechsel, damit das Schlimmste noch abgewendet werden kann.

Ich hätte es niemals für möglich gehalten, schäme mich aber zutiefst dafür, dass viele Kollegen nach meiner Einschätzung ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Denn die öffentlich-rechtlichen Medien haben eine enorme Macht. Und ich mache sie mit­verantwortlich für die unsägliche Spaltung, die unsere Gesellschaft gerade erfährt.

Martin Ruthenberg

Nachrichtensprecher Südwestrundfunk (SWR)

...zwischen meiner persönlichen Wahrnehmung und den Inhalten, die ich als Sprecher nicht verantworte. Dabei ist es für mich immer außer Frage gestanden, dass ich dem SWR und meinen Kolleginnen und Kollegen gegenüber loyal sein möchte. Gleichzeitig ist es mir sehr schwer gefallen, täglich wiederkehrend aktuelle TodesZahlen zu verlesen; so nackt und ohne BezugsGröße verkündet geht ihr InformationsGehalt meines Wissens gegen Null. Die bedauerliche Anzahl der Toten verbreitet vor allem Angst.

Schwerer wiegt für mich allerdings das, was nicht gesagt wird, denn dies ist ja das eigentlich Interessante und Wichtige. Damit meine ich StandPunkte, die von der MehrheitsMeinung abweichen. Minderheiten hatten es noch nie leicht, zu Wort zu kommen. Seit Beginn der Krise beobachte ich eine verstärkte Tendenz, deren Meinungen - im besten Fall - zu ignorieren.

Auch sind mir immer wieder reflexhafte AbwehrReaktionen aufgefallen, SchutzMechanismen, die völlig natürlich sind, wenn wir Angst haben. Gleichzeitig ist Angst der mächtigste Hebel, um Menschen dazu zu bringen, etwas zu tun, was sie nicht tun würden, solange sie sich frei und sicher fühlen. Dass wiederum andere diesen Hebel für ihre Interessen missbrauchen können, liegt für mich auf der Hand. Dies geschieht umso häufiger, je mehr Menschen in Angst leben.

Zwangsläufig wird es meiner Meinung nach in einer solchen Krise mehr ManipulationsVersuche geben, die auch mit einer Umverteilung von Macht einhergehen. Es ist also mehr Wachsamkeit geboten als sonst, nicht zuletzt auf der Seite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Auch deshalb müsste es in so einer Situation mehr MeinungsVielfalt geben als sonst, und die GrundRechte müssten noch sorgsamer geschützt werden.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Südwestrundfunk (SWR)

Für mich erschreckend, haben SWR-Kollegen, von denen ich annehmen musste, dass sie kritisch denkende Menschen und Journalisten seien, mir indirekt vorgeworfen, ein Spinner zu sein, weil ich die „falschen“ Fachleute zitiert habe. Erschreckend deswegen, weil sich das wie Zensur aus dem Inneren des Unternehmens heraus anfühlt.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)

Als der Artikel von Ole Skambraks bei „Multipolar“ erschienen ist, hab ich ihn immer wieder und wieder mit Tränen in den Augen und flauem Bauch­gefühl gelesen, war über Oles großen Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, froh und fühlte mich endlich... - einfach nicht mehr allein.

In den ersten beiden Corona-Pandemie-Jahren fand in unseren Nachrichten­sendungen ein - in meinen Augen - beispielloser „hysterisierender Wettbewerb“ bei der Nennung von stetig ansteigenden Infektions­zahlen statt - unter Verwendung irritierender Begrifflichkeiten (bis heute werden zum Beispiel alle positiven PCR-Testergebnisse als „Neuinfektionen“ bezeichnet, auch wenn der Getestete null Symptome hat), die ich oft als komplett uneingeordnet und oft an erster Stelle in den Nachrichten verlesen erlebt habe.

Eine realitätsnahe Aufschlüsselung in Erkrankungen mit und ohne Symptome, eine konsequente Aufarbeitung der Maßnahmen-Folgen, der Impfnebenwirkungen oder der Impfdurchbrüche vermisse ich bis heute. Zur Bestätigung der Politik der Bundes­regierung höre und sehe ich gebets­mühlenartig immer wieder die gleichen Experten zu Auswegen aus der Krise (Drosten, Dahmen, Lauterbach, Montgomery). Ein Spektrum vielfältiger Experten-, Politiker- oder Zuschauer­meinungen sowie ein sachlicher Diskurs finden in den Sendungen, die ich verfolge, nicht statt. Das spiegelt sich auch in den einschlägigen Talkshows mit den immer gleichen Gästen aus einem (zumeist sehr regierungsnahen) Meinungs­spektrum wider. Mir erscheint es so, dass die Zuschauer mit vorgefertigten Meinungsbildern überhäuft werden, ohne die Chance zu haben, sich in einem ausgewogenen Zusammenspiel der „Für“- und „Wider“-Argumente eine eigene Ansicht zu bilden. Oft habe ich den Eindruck, dass Regierungs­verlautbarungen unreflektiert übernommen werden. Dass andere, abweichende Meinungen überproportional unterrepräsentiert sind. Und falls sich doch mal jemand wagt, einen eigenen Standpunkt entgegen der Regierungs­politik zu äußern, sehe ich denjenigen schnell öffentlich diffamiert - wie zum Beispiel im Fall von „#allesaufdentisch“. Obwohl unsere tägliche Realität im Journalismus eine andere, unabhängige sein sollte.

Ich wünsche mir gerade in unseren öffentlich-rechtlichen Medien, bei denen so viele brillante Journalisten arbeiten, ein Umdenken. Wer, wenn nicht wir - als „Vierte Gewalt“ -, sollte vielfältige Ansichten abbilden und den Zuschauern oder Zuhörern ermöglichen, im Zusammenspiel aller Meinungs­spektren selbstdenkend zu einer eigenen Anschauung zu kommen!?

Inzwischen ist unsere Gesellschaft gespalten in Impf­befürworter und Leute, die der Covid-Impfung nicht vertrauen. Für mich ein unerträglicher Zustand.

Ich bleibe optimistisch und hoffe, dass wir es mit viel Ehrlichkeit und Mut gemeinsam schaffen, eine Versöhnung zwischen den Lagern anzuregen.

Noch ist nicht alles verloren...

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Südwestrundfunk (SWR)

...aber die Strukturen und die Berichterstattung von ARD und ZDF deutlich kritisiert haben. Zum Beispiel die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (welt.de) oder „Tatort“-Regisseur Tom Bohn (welt.de). Meiner Ansicht nach sollten sowohl diese Stimmen, zu der ich auch die Ende August 2020 erschienene „Passauer Studie“ (uni-passau.de) zähle, als auch die nun auftretenden internen „Warnzeichen“ sehr ernst genommen werden.

Wenn aber der WDR-Intendant Tom Burow (zeit.de) auf der einen Seite einen offeneren und breiteren Diskurs einfordert - und gleichzeitig „kritischen Geistern“ innerhalb der ARD gekündigt wird, passt das meiner Ansicht nach nicht zusammen.

In meinem Arbeitsbereich gibt es zahlreiche weitere festangestellte Mitarbeiter des SWR, die mir gegenüber sowohl die momentanen gesellschaftlichen Entwicklungen als auch die „einseitige Berichterstattung“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Sorge betrachten.

Mitarbeiterin / Mitarbeiter

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Ich bin seit fast 30 Jahren im WDR. Das, was aktuell von den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland an größtenteils „Kampagnen-Journalismus“, wie ich es nenne, produziert wird, empfinde ich als unwürdig. Und als nicht zu rechtfertigen. Nun werden auch noch Mitarbeiter „entfernt“ - und die Masse an Kollegen und auch GEZ-Kunden sieht einfach zu.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht für Meinungsfreiheit: Nach welchem Recht können kritische Mitarbeiter blitzschnell entlassen werden?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht für Unabhängigkeit: Warum lässt er sich scheinbar zum Spielball von Politik und Wirtschaft (Pharmaindustrie) degradieren? Atemberaubendes Beispiel: „Quarks“. Eine Anfrage meinerseits an die Redaktion im Jahre 2020, warum sie nicht über Präventionsmaßnahmen - im Sinn von Sport und frischer Luft und alternativen Behandlungsmöglichkeiten der Corona-Erkrankungen - berichtet, wurde nicht einmal beantwortet.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht für Vielfalt und Pluralität: Warum gibt es ein für mich zählbares Übergewicht von Berichterstattung über die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen (Verwendung der „Inzidenz“ als Wert zum Erlass von Grundgesetz-Einschränkungen, Lockdowns, Maskenverwendung gegen Viren, Impfungen etc.), ohne sie kritisch zu hinterfragen? Warum werden Kritiker der genannten Maßnahmen so wenig wahrgenommen? Warum wird dieses Heer von seriösen Menschen weitgehend ignoriert, das nicht überzeugt ist von vermeintlicher Willkür, Profitgier und vermeintlichen Abhängigkeiten?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Instrument der Demokratie: Warum wehren sich seine Angehörigen nicht mit aller Kraft gegen eine Aussetzung des Grundgesetzes in Sachen Meinungsfreiheit, körperliche Unversehrtheit, Versammlungsfreiheit und Wahrung der Persönlichkeitsrechte? Warum werden unbequeme Richter, Ärzte, Lehrer oder Eltern rechtlich belangt, wenn sie von ihrem geltenden Recht Gebrauch machen? - Die es verdient hätten, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehört und auch geschützt zu werden?

Der kritische Journalismus, wegen dem ich vor 30 Jahren unbedingt zum WDR wollte, ist meiner Ansicht nach hauptsächlich einer Art von „Begleitung“ der Politik und der Industrie gewichen. Seine Suche nach den wahren Hintergründen von Missständen ist für mich nicht mehr erkennbar. Der öffentlich-rechtliche Journalismus treibt in meinen Augen, in früher nie vorstellbarem Ausmaß, einen Keil in die Gesellschaft, weil er vorgibt, die „Wahrheit“ zu kennen, und meint, sie missionarisch verbreiten zu müssen. Das kennt man von Religionen, die Kreuzzüge veranstaltet haben und deren Vertreter als „Märtyrer“ Ungläubige wegbomben. Von „Wertegemeinschaften“, die als vermeintlich Überlegene ihre Werte anderen Kulturen aufdrängen und unter Vorwänden Kriegsverbrechen begehen. Die mit dem Zeigefinger auf andere Staaten und Kulturen deuten und über die eigenen aktuellen Verbrechen weder berichten noch urteilen. Man kennt dies alles auch aus der jüngeren deutschen Geschichte. Ungerechtfertigter Vergleich? Der weiterhin drohende Einsatz von Zwangsmaßnahmen spricht für mich eine andere Sprache.

Ich kann auch nicht mehr.